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Weinvermarktung zwischen Geschichte und Moderne

Georgische Weinwirtschaft auf der ProWein in Düsseldorf
Bericht der Kaukasischen Post vom März 2017

Aller guter Messen im Frühjahr sind drei, zumindest in Deutschland: Grüne Woche und ITB in Berlin, zum Abschluss die ProWein in Düsseldorf. Und alle drei seit einigen Jahren mit einem Gemeinschafts-Auftritt georgischer Anbieter. Über die beiden ersten haben wir ausführlich berichtet, fehlt noch die dritte. Auf der ProWein ist Georgien mit seinen Weinen mittlerweile eine durchaus gefragte Adresse und alles andere als ein Exot oder Newcomer. Die Standfläche des Vorjahres hat anscheinend nicht ausgereicht, um allen Interessenten aus Georgien hinreichend Platz zu bieten, sodass sich der georgische Weinbau erstmals an zwei verschiedenen Plätzen einer Halle präsentierte. Mit 29 Ausstellern waren nahezu alle namhaften Weingüter vertreten. Und auf einer Verkostung georgischer Weine, angeboten und organisiert von der der deutschen Fachzeitschrift „Vinum“, herrschte dichtes Gedränge eines durchaus fachkundigen, internationalen Publikums.

Die georgische Weinwirtschaft hat in den letzten zehn Jahren mehrere Schockwellen verkraften müssen. Erst das russische Embargo aus dem Jahr 2008, das auf der anderen Seite aber zwanghaft die Bereitschaft beförderte, sich den Qualitätsstandards des Weltmarktes zu stellen und so seine durchaus positive Nebenwirkung hatte. Ohne diese Lektion in Sachen Qualitätssteigerung wäre die Position des georgischen Weines auf dem Weltmarkt heute kaum zu erklären, wenngleich man noch nicht über die Position eines kleinen, aber feinen Nischen-Anbieters hinausgekommen ist. Dann vor zwei Jahren der Einbruch im Geschäft mit Russland und der Ukraine, deren Wirtschaftskrisen sich auf den Weinimport aus Georgien auswirkten. Innerhalb eines Jahres sank der Export georgischer Weine von 46 Millionen Litern auf 27 Millionen, ein Rückgang von über 40 Prozent. In den Jahren davor war er  von 20 Millionen Liter (2012) auf 36 Millionen (2013) und Millionen Liter (2014) gestiegen, eine Folge der Aushebung des russischen Weinembargos im Jahr 2012. Russland und die Ukraine waren für mehr als die Hälfte des georgischen Weinexports verantwortlich. Keine Frage, die deftige Exportdelle in beiden Ländern traf den georgischen Weinbau ins Mark. Mittlerweile konnten die Verluste  zumindest in der Tendenz wieder aufgefangen werden, das Jahr 2016 brachte wieder ein Plus von rund 10 Millionen Litern. Eine Entwicklung, die vor allem mit überdurchschnittlichen Steigerungsraten im China-Geschäft begründet wird. Rechtzeitig zur ProWein und sicher nicht ganz zufällig  verkündete die amtliche Exportstatistik Georgiens für die ersten beiden Monate des Jahres 2017 eine Exportsteigerung von nahezu 100 Prozent. Was Insider allerdings nur hinter vorgehaltener Hand erzählen, die Exportzuwächse in Asien wurden auch mit erheblichen Preiszugeständnissen erkauft, im Vergleich zum Rekordjahr 2014 um mehr als 20 Prozent.

Dieser Boom im fernen Osten ist anscheinend ein Grund dafür, dass zum Beispiel einer der bekanntesten ausländischen Investoren in der georgischen Weinszene gleich gar nicht mehr auf der ProWein vertreten war und sich, wie es hieß, voll und ganz auf China und den zu erwartenden dortigen Massenabsatz konzentriert. Eine andere große Weinfabrik, die durchaus auch ihre Zuwächse in Asien einfährt, vernachlässigt aber keineswegs den europäischen Markt mit seinen spezifischen Anforderungen. Der Lohn: Ein erster Großauftrag mit einer führenden deutschen Wein-Vermarktungskette: Jaques Weindepot. Ab Herbst 2017 wird Qualitätswein aus Kvareli in mehr als 200 Fachgeschäften in Deutschland samt Internet-Versand angeboten. Ein kleiner, vielleicht aber wichtiger Durchbruch für die Zukunft des georgischen Weines auf dem deutschen Markt. Auf die deutschen Zuwachsraten des Jahres 2017 darf man heute schon gespannt sein.
So zeigt sich das Gros der georgischen Weingüter allerdings trotz der Massennachfrage in Asien nach wie vor in Düsseldorf und legt dabei gesteigerten Wert auf die große Weinbautradition des Landes: „8.000 Wein-Jahrgänge“ preist man mit dem Logo Georgia an, wer auf der Welt kann da schon mithalten? Armenien vielleicht, das sich ebenfalls als Weinbau-Nation mit einer Vergangenheit präsentiert, die in Tausenden von Jahren gemessen werden. Aber der armenische Weinbau, Standnachbar der Georgier, wird erst seit kurzer Zeit auf der Weltkarte der Weinwirtschaft wahrgenommen. Immerhin 17 armenische Weingüter präsentierten sich in Düsseldorf, wie die Georgier meist mit endemischen Rebsorten: Areni, Sireni, Tannat und andere. Sie müssen sich ihren Platz in der Welt erst erarbeiten, eine Aufgabe, die Rkatsiteli, Saperavi und Gefährten längst erfolgreich erledigt haben.

Allerdings: Bei der Fokusierung Georgiens auf die 8.000 Jahre alte Weinbau-Tradition und – natürlich – den Exportschlager Qvevri-Technologie wagen sich nur wenige Anbieter in modernes Marketing. Eine Ausnahme ist die Marke „Vismino“ mit für die konservative georgische Weinvermarktung nahezu futuristisch-bunten Etiketten, die ausweislich einer Webseiten-Erläuterung mithilfe eines komplizierten technischen Verfahrens hergestellt wurden. Musik großer Komponisten wie Bach, Rachmaninow und anderen wurden per Computer-Animation jeweils in einen bunten Pixel-Teppich übertragen. Vismino ist georgisch und kann in etwa mit „Muss man gehört haben“ übersetzt werden. Muss man dann wohl auch getrunken haben, den Wein, der passend zur Musik seines heimlichen Etiketten-Designers ausgewählt wurde. Ein ebenso ausgefallener wie mutiger Werbe-Ansatz, der dem georgischen Wein neben seinen klassischen Liebhabern eine neue, jugendliche Klientel erschließen soll.

An einer Weltneuheit, die nur am Rande etwas mit Wein zu tun hat, ist eine deutsch-georgische Weinbau-Beratungsfirma aus Tiflis beteiligt. Es geht um das erste Weinlaubsoda der Welt, KISUU genannt, was soviel heißt wie „Guter Geist“ und das ohne jeden Geist, sprich ohne Alkohol natürlich. Ein innovatives herb-bitteres Limonaden-Getränk, hergestellt aus einem Sud von Wein-Blättern, Traubensaft und Kohlensäure. Es soll, vorerst mit Weinblättern aus Thailand, im Herbst 2017 erstmals in einer ziemlich bescheidenen Zahl an Flaschen auf den deutschen Markt kommen. In Georgien, so war in Düsseldorf zu erfahren, ist aber bereits eine größere Versuchsfläche mit einer speziellen Rebsorte, die nur Blätter produziert und keine Trauben, angepflanzt worden. Erste Ernte und damit erste Limonaden-Produktion wäre im Herbst 2017 möglich. So kann unter Umständen auf der ProWein 2018 mit einem Weinlaub-Soda-Getränk aus Georgien gerechnet werden, dem Land, das sich selbst als Wiege des Weinbaus bezeichnet.

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